Arbeitende Mamas und warum die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so schwierig ist

Mein Morgen: der Wecker klingelt, grundsätzlich zu früh zum Aufstehen und zu spät, um sich Zeit zu lassen. Während ich Frühstück mache, trudelt mein großer Sohn ein. Nach einem grummeligen „Guten Morgen“ versinkt er mit seinem Handy aufs Sofa und lässt das Frühstück Frühstück sein. Zum Diskutieren bleibt keine Zeit, also noch schnell die Pausenbrote geschmiert, Gemüse geschnippelt und ab unter die Dusche. In der Zwischenzeit passiert – nichts. Also wecke ich erstmal den Kleinen, suche mit ihm in Windeseile ein paar zusammengehörende Socken ohne Löcher zusammen, dann das Mathebuch des Großen, das gestern noch gaaanz sicher in der Schultasche war. Zwischendurch versuche ich mich zu schminken und mir gleichzeitig ins Gedächtnis zu rufen, was wir am Abend zuvor besprochen hatten bezüglich des Gitarrenunterrichts, bevor wir alle aus dem Haus eilen. Ein ganz normaler Start in den Wochentag, der wahrscheinlich bei den vielen anderen arbeitenden Mamis ähnlich aussieht (zumindest, wenn man das Glück hat, dass beide Kinder Präsenzunterricht besuchen dürfen).

 

Arbeitende Mamas und die Pandemie

Als Personalvermittlung, die mit Herz und Leidenschaft dafür sorgt, dass Menschen und Unternehmen zusammenfinden, die auch zusammen gehören, nehmen wir den gerade gefeierten Muttertag zum Anlass, uns vor allem den arbeitenden Mamas zu widmen. Dass wir Mamas ausgiebig gefeiert gehören, versteht sich ja von selbst, oder? Denn der frischgebrühte Kaffee am Bett, der blumengeschmückte Frühstückstisch und die mehr oder weniger talentiert gebastelten Aufmerksamkeiten tun einfach sooo gut und wir wissen umso mehr, wofür sich die ganze Mühe lohnt. Vor allem nach diesen doch sehr nervenaufreibenden und herausfordernden letzten fast 1 ½ Jahren.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ja ohnehin ein Dauerthema für Eltern. Seit dem letzten Jahr ist durch Homeschooling, Kontaktreduzierung, Homeoffice und teilweise gravierende Veränderungen im Berufsalltag alles nochmal gehörig durcheinander gewürfelt worden. Wirft uns Frauen diese Situation wirklich wieder um Jahre zurück im Kampf um eine gleichberechtigte Rollenverteilung? Und wie haben sich die Möglichkeiten für Frauen überhaupt in den letzten Jahren entwickelt, Kind UND Karriere zu verwirklichen?

Wie viele Mütter sind eigentlich berufstätig?

Zuerst einmal: Es gibt einen kontinuierlichen Anstieg von erwerbstätigen Müttern seit der Jahrtausendwende. Laut dem Statistischem Bundesamt beträgt der Anteil arbeitender Mütter in Deutschland, die in einer Partnerschaft und mit mindestens einem Schulkind zusammenleben mittlerweile fast 80%. Davon arbeiten 72% in Teilzeit. Zu verdanken ist der Anstieg arbeitender Mamis vor allem dem Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, auch wenn mehr als Teilzeit oft nicht drin ist. Denn leider reichen die Kinderbetreuungsplätze nach wie vor nicht aus und selbst, wenn man einen Kitaplatz ergattern konnte, schließen viele Einrichtungen bereits nachmittags.

Diese Betreuungszeit fangen meistens die Mamas auf. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) arbeiten von den Vätern gerade mal 5% in Teilzeit. Die Gründe sind nach verschiedenen Studien häufig finanzieller Natur oder die Angst um die Karriere. Papas verdienen ja leider häufig noch mehr und durch eine Auszeit werden sie schnell von Kolleg*innen ohne Kinder überholt. Eine Sorge, die also meistens nicht ganz unberechtigt ist. Auch die Elternzeit nach der Geburt eines Kindes wird von Vätern nur selten länger als 3 Monate genutzt, auch wenn die Anzahl der Papas tendenziell leicht steigt, die diese Auszeit in Anspruch nehmen. Von gleichen Chancen für Mütter und Väter im Arbeitsleben kann also (noch) keine Rede sein.

Die Geburt eines Kindes kostet Mütter rund 40% Lebenserwerbseinkommen

Nach einer aktuellen Bertelsmannstudie liegt das Lebenserwerbseinkommen von Müttern deutlich unter dem der Väter und auch kinderloser Frauen. Durch die Geburt eines Kindes verlieren Mütter rund 40% Lebenserwerbseinkommen gegenüber kinderlosen Frauen. Bei drei oder mehr Kindern sind es gemäß der Studie sogar bis zu 70%. Das liegt vor allem an den Ausfallzeiten nach einer Geburt und der anschließenden Teilzeitbeschäftigung. Väter dagegen verdienen sogar manchmal mehr als kinderlose Männer. Beamte beispielsweise bekommen einen Familienzuschlag für jedes geborene Kind.

Um diese Lücke schließen zu können, brauchen wir eine gerechtere Aufteilung von Arbeits- und Kinderbetreuungszeiten. Leider wurde die Betreuungszeit durch die Corona-Pandemie anscheinend aber noch mehr durch die Mamas übernommen. Die Verfasser der Studie empfehlen daher eine gesellschaftliche Debatte über mehr Arbeitszeitflexibilität für Mütter UND Väter.

Die Corona-Maßnahmen erschweren die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zusätzlich

Durch die Kita- und Schulschließungen mussten ca. 8,8 Mio. Kinder unter 12 Jahren zuhause betreut werden. Da die zunehmende Erwerbstätigkeit von Müttern vor allem dem Ausbau der Kita- und Krippenplätze und der Ganztagsbetreuung von Schulkindern zu verdanken ist, stellt diese Zuhause-Betreuung viele berufstätige Eltern vor große Herausforderungen. Kinder in dem Alter benötigen, vor allem auch beim Homeschooling, noch viel Aufmerksamkeit und Beschäftigung. Laut einer Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) reduzierten 27% der Mamas, aber nur 16% der Papas ihre Arbeitszeit in der Coronakrise, um die Kinderbetreuung zu übernehmen. Zudem gaben 30% der Paare, die vor der Pandemie die Kinderbetreuung weitgehend gleichmäßig aufgeteilt hatten, an, dass die Mütter in der Krise nun mehr übernehmen als die Väter.

Auch wirtschaftlich scheinen Frauen die größeren Verlierer der Corona-Pandemie zu sein. Auf dem Arbeitsmarkt sind vor allem das Dienstleistungs- und Gastgewerbe von der Krise betroffen. In diesen Sektoren sind überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt und damit stärker vom Verlust des Arbeitsplatzes bedroht. Zudem werden knapp 60% der sogenannten systemrelevanten Berufe von Frauen ausgeübt.

Wie sind die persönlichen Erfahrungen unserer Mamas bei Serviceline?

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist immer eine individuelle Herausforderung, die von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Zahlen sind das eine, aber wie nehmen die Mamas diese Herausforderung im persönlichen Umfeld wahr? Und wie schaffen sie es, das Beste daraus zu machen?

Wir haben drei unserer Mamas nach ihren persönlichen Erfahrungen gefragt und teilen ihre Antworten hier mit euch. Ein kleiner Spoiler vorab: keine unserer drei Mamas musste durch die Entscheidung für ein Kind auf ihren Traumjob verzichten oder schmerzende Kompromisse eingehen. Es gibt immer kleinere oder größere Herausforderungen, denen man in einem Leben mit Kind(ern) begegnet, aber es gibt viel Hilfe und Unterstützung auf unserem Weg.

 

Anja,
Geschäftsstellenleiterin
1 Sohn (9 Monate)

Aktuelle Situation: verheiratet, in Elternteilzeit mit 30 Wochenstunden, auf Kitasuche

Wie sieht das Umfeld/Netzwerk aus, gibt es Unterstützung?
Die Familie wohnt in der Umgebung, ist aber zeitlich leider selbst sehr eingebunden. Ein Netzwerk gibt es bisher noch nicht wirklich, aber ein Babysitter unterstützt uns. Ansonsten versuchen wir, Kinderbetreuung und Haushalt gerecht unter uns beiden aufzuteilen, was auch sehr gut klappt. Der Job muss leider manchmal parallel zur Kinderbespaßung laufen, aber auch das funktioniert. Zurzeit suchen wir einen geeigneten Kitaplatz für unseren Zwerg. Sobald er dort glücklich eingewöhnt ist, werde ich wieder in Vollzeit arbeiten.

Bist du Kompromisse bei deinem Job eingegangen?
Nein, gar nicht. Mein Job ist genau so, wie ich ihn haben möchte. Ich habe allerdings Abstriche im Gehalt in Kauf genommen, um im ersten Lebensjahr auf 30 Stunden reduzieren zu können.

Was ist aus deiner Sicht für arbeitende Mamas besser geworden, was funktioniert gut, was muss sich noch ändern/verbessern?
Das Vertrauen des Arbeitsgebers ist sehr wichtig. Mit einem Baby braucht man eine gewisse Flexibilität und manchmal auch Arbeitszeiten, die von den üblichen Bürozeiten abweichen. Man setzt sich da häufig selbst unter Druck, weil man zeigen möchte, dass man das Vertrauen nicht ausnutzt. Ich habe aber den Eindruck, dass die Arbeitgeber die Bemühungen auch mehr honorieren als das früher der Fall war. Bei Serviceline ist das zumindest der Fall.

Was würdest du dir für die Zukunft bzw. für die künftigen Mamas wünschen?
Ich würde mir für alle Mamas wünschen, dass sie ihre Entscheidungen für einen Job ganz frei und unabhängig von finanziellen Fragen wählen können. Die Entscheidung, wie und wann (und ob überhaupt) man nach der Geburt seines Kindes wieder anfängt zu arbeiten, sollte ohne Angst um den Job oder finanzielle Sorgen getroffen werden können.

 

Birgit,
Assistentin der Geschäftsleitung
2 Töchter (37 und 38 Jahre)

Aktuelle Situation: verheiratet, seit 5 Jahren in Teilzeit (30 Stunden), davor immer in Vollzeit gearbeitet

Wie sieht das Umfeld/Netzwerk aus, gibt es Unterstützung?
Die Familie wohnt in der Nähe, lebt aber natürlich ihr eigenes Leben. Daher ist eine Unterstützung eher eine Ausnahme. Wichtig ist ein gutes, verlässliches Netzwerk aus Freundinnen und Bekannten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Man hilft sich gegenseitig gerne weiter und jeder hat Verständnis für den anderen. Dieses Netzwerk hat mir vor allem in der Zeit sehr geholfen, als mein Mann häufig aufgrund längerer Dienstreisen im Ausland unterwegs war.

Bist du Kompromisse eingegangen, um arbeiten zu können?
Nein, im Grunde bin ich beruflich immer den Weg gegangen, den ich auch gehen wollte. Jeder Schritt war selbst gewählt. Sicher hätte ich ohne Kinder eine andere Karriere angestrebt. Ich wollte aber bewusst am Leben meiner Kinder teilhaben.

Was ist aus deiner Sicht für arbeitende Mamas besser geworden, was funktioniert gut, was muss sich noch ändern/verbessern?
Als meine Kinder noch klein waren, war es für uns in der ehemaligen DDR schwieriger, eine Wohnung zu finden als einen Kitaplatz. Die Wahl der Kitas und Schulen wird heute zunehmend schwieriger. Hier muss dringend was getan werden. Die Betreuungssituation, vor allem für unter 3jährige, muss deutlich besser werden – von der Quantität aber auch der Qualität. Ich würde mich freuen, wenn wieder mehr Arbeitgeber in Betriebskindergärten investieren würden. Das wäre ein Gewinn für alle.

Was würdest du dir für die Zukunft bzw. für die künftigen Mamas wünschen?
Mir kommt es manchmal so vor, als würde durch die Menge an Möglichkeiten, die man heute hat, der rote Faden verloren gehen. Ich würde mir wünschen, dass in den Schulen schon früher die Stärken und Schwächen der Schüler ausgearbeitet werden. Außerdem muss sich natürlich der Gender Pay Gap endlich schließen.

 

Stefanie,
Datenmanagement/Organisation
2 Töchter (10 und 13 Jahre)

Aktuelle Situation: Seit 9 Jahren alleinerziehend, in Teilzeit angestellt (32 Stunden)

Wie sieht das Umfeld/Netzwerk aus, gibt es Unterstützung?
Unsere Familie hat eine sehr enge Bindung, sowohl mein Bruder als auch meine Mutter helfen gerne aus, wenn die Hütte brennt. Zusätzlich habe ich ein sehr gutes Netzwerk, das sich gegenseitig unterstützt. Ohne würde es nicht laufen.

Bist du Kompromisse bei deinem Job eingegangen?
Nein, ich habe genau den Job, den ich machen möchte. Allerdings hatten wir das Glück, immer die Kita- und Schulplätze bekommen zu haben, die wir haben wollten. Das hat natürlich einiges vereinfacht. Zudem habe ich eine großartige, verständnisvolle Chefin, die mich sehr unterstützt. Ich denke, es ist ein Geben und Nehmen. Ich arbeite bereits seit 17 Jahren hier bei serviceline, jeder weiß, dass man sich auf mich verlassen kann und ich auch bereit bin, die Extrameile zu gehen. Dafür bekomme ich Zugeständnisse in beispielsweise flexibleren Arbeitszeiten.

Was ist aus deiner Sicht für arbeitende Mamas besser geworden, was funktioniert gut, was muss sich noch ändern/verbessern?
Vor der Corona-Pandemie waren wir hier in Berlin schon auf einem sehr guten Weg. Es gab beispielsweise freies Mittagessen für Grundschüler, freie Hortplätze für die 1.-6. Klassen oder einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. In Berlin wird generell viel für Eltern gemacht. Ich hoffe, nach dem Abklingen der Pandemie wird es genauso weitergehen.

Toll wäre, wenn wir uns ein paar der neu gewonnenen Freiheiten beibehalten könnten, wie z.B. Homeoffice-Tage, vielleicht auch Homeschooling-Tage. Die Digitalisierung, vor allem auch innerhalb der Schulen, muss aber dringend noch ausgebaut werden. Außerdem würde ich mir wünschen, dass die sogenannten systemrelevanten Berufe endlich die Anerkennung bekommen, die ihnen zustehen.

Was würdest du dir für die Zukunft bzw. für die künftigen Mamas wünschen?
Vor allem Gesundheit! Alles andere kann man händeln.

 

 

Quellen:

https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_56_2020.pdf

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/12/PD19_473_122.html

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/200616_Kurzexpertise_MotherhoodLifetimePenaltyFINAL.pdf

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